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Finstral Compendium

Projektdetails

Übersicht Projekt anschauen
Kategorie: Enterprise Int.
Status: Nominee
Titel: Finstral Compendium
Einreichendes Unternehmen: Factorial GmbH
Für den Kunden: Finstral AG

Zusammenfassung

Das Markenversprechen der Finstral AG „alles aus einer Hand" in einem digitalen System: das Compendium, ein zentraler Asset-Hub mit DAM- und Such-Integration.

Projektbeschreibung

Finstral AG ist ein familiengeführter Hersteller von Fenstern, Haustüren und Glaswänden aus Südtirol – mit rund 1.600 Mitarbeitenden und über 1.000 Händlerpartnern in 14 Ländern. Das Markenversprechen lautet: alles aus einer Hand. In diesem Maßstab ist konsistentes Produktwissen kein Nice-to-have – es ist der Unterschied zwischen einem Auftrag, der reibungslos läuft, und einem, der in Rückfragen, Installationsfehlern und Nachbesserungen endet.

Die digitale Infrastruktur hielt diesem Versprechen lange nicht stand: 2 Terabyte Assets verteilt über verschiedene Systeme, ein veraltetes Extranet, das nur Insider bedienen konnten, und eine Zugriffsverwaltung, die für Händler, Partner und Architekten gleichermaßen zum Hindernis geworden war.

Factorial verantwortet das gesamte digitale Ökosystem von Finstral – von der Finstral Cloud als zentralem Partner-Portal über das CRM-System Contacts und den Produkt-Konfigurator Composer bis hin zum Job-Portal. Alles auf Drupal, alles auf einer Plattform, alles sauber verbunden. Das Compendium ist der jüngste Baustein dieses Ökosystems: der zentrale Asset-Hub für Partner, Architekten und Mitarbeitende, implementiert auf Drupal als Experience Layer, mit pixx.io als DAM-Backbone und Algolia als Suchplattform – nahtlos integriert, weil die Grundlage dafür bereits existierte.

Ausgangslage: Vier Schmerzpunkte

Die Content-Landschaft des Unternehmens ist über Jahre organisch gewachsen. Produktbilder, Kataloge, Preislisten und technische Dokumentation entstanden und wurden an verschiedenen Orten gepflegt – mit den vorhersehbaren Folgen:

— Verstreute Assets über Teams und Systeme verlangsamten den Alltag. Suchen, verifizieren, weiterleiten – manuell, täglich, in 14 Ländern.

— Eine überkomplexe Zugriffsverwaltung erzeugte operativen Overhead. Besonders kritisch: Preislisten, die strikt nach Partnern und Märkten segregiert werden müssen.

— Architekten waren vom Self-Service ausgeschlossen – ein Reibungspunkt in jedem Ausschreibungs- und Planungsprozess.

— Das Legacy-Extranet war effektiv ein Expertensystem: Wer die richtigen Dokumente finden wollte, brauchte Einweisung. Das skaliert nicht über Ländergrenzen und Partnernetzwerke.

Lösung: Compendium als zentraler Asset-Hub

Die klare Richtung war ein zentrales Digital Asset Management. Die Auswahl des richtigen Fundaments war ein strukturierter Prozess: Anforderungen wurden abteilungsübergreifend erfasst, Evaluationskriterien mit Fokus auf Alltagsnutzbarkeit und Integrierbarkeit definiert. Finstral entschied sich für pixx.io – wegen API-first-Ansatz, Usability und einem Lizenzmodell, das zu einem mittelständischen Familienunternehmen passt.

Factorial lieferte die Gesamtlösung darum herum: Compendium, implementiert auf Drupal als Experience Layer, eingebettet in Finstral Cloud. Die wesentlichen Bausteine:

— Compendium-Portal in Drupal, integriert in Finstral Cloud

— pixx.io-Integration in Drupal als DAM-Backbone

— Algolia-Integration mit Synchronisation für schnelle, konsistente Asset-Suche mit Facettierung

— Policy-based Access Control Engine: harmonisierte Zugriffsregeln über Drupal, pixx.io und Algolia hinweg

— Event-getriebene Aktualität: Ändert sich ein Asset in pixx.io, ist es innerhalb von Minuten im Compendium aktualisiert – automatisch, ohne manuellen Eingriff

Das Architekturprinzip: Normalisierung

Finstral's Markenversprechen lautet: alles aus einer Hand. Das Compendium überträgt dieses Prinzip in die Systemarchitektur. Entitäten – Produkte, Assets, Zugriffsregeln – werden einmal definiert und durch das gesamte Ökosystem synchronisiert. Kein Dokument existiert in zwei Versionen. Keine Preisliste läuft veralteten Ständen hinterher. Was sich in der Quelle ändert, ändert sich überall.

Drupal als Authorisierungsinstanz

Die technische Kernentscheidung: Alle Zugriffskontrollen für Händler, Mitarbeitende und Partner laufen ausschließlich über Drupal. Nicht über die DAM-API, nicht über Algolia – ausschließlich Drupal. Das macht Drupal zum einzigen Authorizer für diese Nutzergruppen und schützt die dahinterliegenden Systeme vor direktem Zugriff. Architekten erhalten über Magic Links zeitlich begrenzten Zugang – ohne Account-Registrierung.

Die Architektur des Access Control Systems baut auf Drupal's Access Policy API auf – einem Feature, dessen Entwicklung Factorial aktiv mitgeprägt hat. Im Rahmen der Finstral-Plattform entstand das External Roles Modul, das als Open-Source-Projekt auf drupal.org veröffentlicht ist.

Einbettung in die Finstral Multi-Tenant-Plattform

Das Compendium entstand nicht auf der grünen Wiese. Es ist Bestandteil der Finstral Cloud – einer Multi-Tenant-Plattform auf Platform.sh, auf der Factorial auch das Cloud Dashboard, das CRM-System Contacts, den Produkt-Konfigurator Composer und das Job-Portal betreibt. Die Architekturentscheidungen für das Compendium mussten das gesamte Ökosystem im Blick behalten und auf dem Zielprinzip der Normalisierung aufsetzen.

Projektziele und -ergebnisse

Das Ziel war eine digitale Bibliothek, die Finstral's Markenversprechen auch operativ einlöst: ein zentraler, rollenbasierter Zugang zu allen relevanten Assets für alle Nutzergruppen in allen 14 Märkten.

Die Ergebnisse zusammengefasst in den folgenden KPIs:

— Digitaler Asset-Hub für 14 Länder etabliert

— Verfügbarkeit des Compendiums in 8 Sprachen

— Bereitstellung eines einheitlichen Asset-Hubs für Architekten, Mitarbeitende und Handelspartner

— Architekten erstmals mit Self-Service-Zugang: Magic Links ohne Account-Registrierung

— 60 % mehr aktuelle und verifizierte Assets

— 50 % bessere Asset-Auffindbarkeit

— 2 Terabyte Assets zentral zugänglich – mit granularer Zugriffskontrolle nach Markt, Rolle und Partnertyp

— Asset-Aktualität durch event-getriebene Synchronisation: Änderungen in pixx.io sind innerhalb von Minuten im Portal sichtbar

Weitere Informationen

Herausforderungen

Zugriffsverwaltung über drei inkompatible Systeme

Drupal, pixx.io und Algolia haben jeweils eigene, inkompatible Mechanismen zur Zugriffskontrolle. Die Herausforderung war nicht, jedes System einzeln zu konfigurieren, sondern eine systemübergreifende Strategie zu entwickeln, die ohne zentrale Verzeichnisinfrastruktur auskommt und trotzdem konsistent, wartbar und skalierbar ist. Role-based Access Control schied aus – ohne ein zentrales Directory Service (z.B. Microsoft Entra) würden Rollen nicht zuverlässig synchronisiert werden können. Policy-based Access Control war die richtige Antwort, aber auch die komplexere.

Preislisten als hochsensible Assets

Preislisten sind im B2B-Händlergeschäft kritisch: Sie müssen strikt nach Partner, Markt und Berechtigungsstufe segregiert werden. Ein Fehler in der Zugriffskonfiguration ist kein UI-Bug, sondern ein operativer Schaden. Die Zugriffskontrolle für diese Assets musste absolut zuverlässig sein – und gleichzeitig einfach zu administrieren, damit sie nicht wieder zum Overhead-Treiber wird.

Drupal im kritischen Pfad jeder Anfrage

Da alle Zugriffskontrollen für Händler und Partner ausschließlich über Drupal laufen, liegt Drupal im kritischen Pfad jeder Suchanfrage und jedes Dokumentenzugriffs. Die Authorisierungskomponenten mussten für hohe Last ausgelegt sein. Ein Drupal, das unter Zugriffsprüfungen einbricht, ist kein Authorizer – es ist ein Flaschenhals für das gesamte Partnernetz.

Integration in ein laufendes Ökosystem

Das Compendium entstand nicht isoliert. Es musste in eine laufende Multi-Tenant-Plattform integriert werden, auf der bereits mehrere Finstral-Dienste produktiv laufen. Jede Architekturentscheidung für das Compendium hatte potenziell Auswirkungen auf das gesamte Ökosystem. Gleichzeitig galt das Prinzip der Normalisierung als verbindlich: keine isolierten Lösungen, keine Dateninseln, keine parallelen Wahrheiten.

Community-Beiträge

Als Drupal Certified Partner Platinum sowie als Supporting Partner und Organisational Member der Drupal Association leistet Factorial.io seit seiner Gründung im Jahr 2015 einen wertvollen Beitrag zur globalen Drupal-Community. Durch das Sponsoring und die Organisation von Veranstaltungen (Splash Awards, DrupalCamp, Drupal User Group Hamburg), die Bereitstellung von Entwicklungszeit für unsere Drupal-Entwickler*innen sowie die Einreichung von Vorträgen für Konferenzen investieren wir aktiv in die Weiterentwicklung des Frameworks und der Community. Als Mitglied des Drupal e.V., engagieren wir uns zudem für die Vermarktung von Drupal in der DACH-Region.

Die Architektur des Zugriffskontrollsystems basiert auf der Access Policy API von Drupal – einer Funktion, an deren Entwicklung Factorial maßgeblich mitgewirkt hat. Das Modul External Roles (https://www.drupal.org/project/external_roles), das im Rahmen der Finstral-Plattform entwickelt wurde, wird als Open-Source-Projekt auf drupal.org veröffentlicht. Wir erwägen, das Modul Media External Focal Point ebenfalls als Contribution bereitzustellen, da es eine sinnvolle Erweiterung des Media-External-Ökosystems darstellt. Wir haben bei mehreren Problemen mit Media External mitgeholfen, Fehler behoben und das Modul mit aktuellen Drupal-Versionen kompatibel gemacht.

Warum sollte dieses Projekt bei den Splash Awards gewinnen?

Das Compendium zeigt, was Drupal als Systemarchitektur leistet, wenn es konsequent zu Ende gedacht wird. Drupal bildet hier nicht nur das CMS, das Inhalte verwaltet. Drupal ist der zentrale Authorizer, der entscheidet, welcher Partner in welchem Land welche Preisliste sehen darf – zuverlässig, performant, für 1.000 Händlerpartner in 14 Märkten.

Die technische Architektur ist dabei kein Selbstzweck. Sie überträgt ein Markenprinzip in ein System: Finstral's Versprechen "alles aus einer Hand" endet nicht am Showroom, sondern setzt sich durch das gesamte digitale Ökosystem fort. Jede Information wird einmal gepflegt und automatisch durch das gesamte Ökosystem weitergereicht – kein manueller Abgleich, keine veralteten Parallelversionen.

Was das Projekt zusätzlich auszeichnet: Factorial hat in diesem Kontext nicht nur das digitale Ökosystem geschaffen, sondern auch aktiv zur Drupal-Community beigetragen. Das External Roles Modul – entstanden aus den Anforderungen der Finstral-Plattform, aufbauend auf Drupal's Access Policy API – ist als Open-Source-Projekt auf drupal.org veröffentlicht. Was für Finstral gelöst wurde, steht der gesamten Community zur Verfügung.

Das Ergebnis ist messbar: 60 % mehr aktuelle Assets, 50 % bessere Auffindbarkeit, 2 Terabyte Assets zentral zugänglich für ein Partnernetz, das Deals schließt, Projekte umsetzt und Installationsfehler vermeidet. Das richtige Dokument erreicht nun die richtige Person im richtigen Moment - das ist Operational Excellence.