Wissensplattform für EMN Österreich: über 500 Studien zu Migration und Asyl, auf Drupal 11 gebündelt in einer intuitiv nutzbaren Publikationsdatenbank.
Das Europäische Migrationsnetzwerk (EMN) wurde von der Europäischen Kommission eingerichtet und liefert vergleichbare Informationen zu Migration und Asyl in der EU. Der nationale Kontaktpunkt Österreich ist bei der Internationalen Organisation für Migration (IOM) angesiedelt. IOM ist Teil des UN Systems, zählt 175 Mitgliedstaaten und ist in über 100 Ländern tätig.
Für EMN Österreich entwickelte lowfidelity die digitale Wissensplattform www.emn.at. Ein modernes Fachportal, das das gesamte Publikationsspektrum der Organisation zugänglich macht: nationale Publikationen, EU Publikationen in Form von Studies und Informs, den Asylum and Migration Overview, das EMN Glossar und die Ad Hoc Queries. Dazu kommen Veranstaltungen von EMN Österreich und der Netzwerkmitglieder.
Zielgruppen sind wissenschaftliche und politische Entscheidungsträger:innen, Ministerien, NGOs und Praxis sowie die allgemeine Öffentlichkeit in Europa. Gefordert waren unter anderem Mehrsprachigkeit, Barrierefreiheit, eine erweiterte und hoch performante Suche für Publikationen und Events, Onlineformulare samt Publikationsbestellung, ein integriertes, datenschutzfreundliches Newsletter-System und eine intuitiv bedienbare Redaktionsoberfläche.
Die Plattform bündelt eine umfangreiche Publikationsdatenbank und macht sie über eine durchdachte Struktur, visuelle Leitsysteme und ein modernes Design intuitiv nutzbar. Technische Grundlage ist Drupal 11. Die Entwicklungsschwerpunkte lagen auf Usability, Barrierefreiheit nach WCAG 2.1 AA, Sicherheit und Stabilität.
Das Projekt umfasste die Migration aller bestehenden Publikationen aus einer über viele Jahre gewachsenen und unstrukturierten WordPress Website, unter Erhalt der bestehenden Seitenpfade. Schulung, Handbuch und Videotutorials wurden abschließend für das EMN Team produziert.
Ziel war es eine zukunftssichere, skalierbare Wissensplattform zu entwickeln, die mit den Anforderungen der Organisation mitwächst und eine große, historisch gewachsene Studiensammlung zugänglich macht. Gefordert waren Erweiterbarkeit, Interoperabilität, stabile Performance auch bei Lastspitzen sowie redaktionelle Arbeit ohne Programmierkenntnisse.
Erreicht wurde:
Die größte Herausforderung lag darin, einen EU-institutionellen Auftraggeber mit klar vorgegebenen Governance-Strukturen in eine moderne, nutzerfreundliche Website zu übersetzen. Die Ausschreibung verlangte ein durchgängig scrollbasiertes Erlebnis über vier inhaltliche Ebenen: von der Startseite über Themenbereiche und Unterseiten bis zu einzelnen Publikations- und Veranstaltungsdetailseiten, ohne die strenge Hierarchie des EMN-Netzwerks aufzugeben. Die Informationsarchitektur musste komplexe, mehrsprachige Fachinhalte wie Studien, Informs, Ad-hoc-Queries (kurzfristige Länderabfragen im EMN-Netzwerk), Glossare und Netzwerkverzeichnisse für sehr unterschiedliche Zielgruppen gleichermaßen zugänglich machen, von Ministerien bis zur allgemeinen Öffentlichkeit.
Die zweite Herausforderung war die Content-Migration. Jahrzehntelang gewachsene Publikationsbestände, Ad-hoc-Queries und Eventarchive mussten strukturiert, kategorisiert und in ein neues Datenmodell überführt werden, das flexible Filter-, Such- und Sortierfunktionen trägt. Die bestehenden Pfade waren zu erhalten, um Verlinkungen aus Fachpublikationen und Suchmaschinen nicht zu verlieren.
Zweisprachigkeit, WCAG 2.1 AA und SEO griffen ineinander: semantische Auszeichnung, Kontrastwerte, Focus States, Tastaturbedienbarkeit und ausgezeichnete Formulare auf der einen Seite, Meta-Tags, Schema.org, hreflang, Canonicals und übernommene URL-Pfade auf der anderen.
Gefragt war zudem ein CMS, das redaktionelle Autonomie ohne Programmierkenntnisse ermöglicht - ein zentraler Painpoint der Vorgängerlösung.
Eine zentrale gestalterische Herausforderung war es, das Wissensportal auch für die Redaktion einfach wartbar zu halten. Deshalb wurde bewusst auf zusätzliche Grafiken und umfangreiche Bildwelten verzichtet. Stattdessen entstand ein reduziertes „Text-first“-Design, das die Cover der Studien in den Mittelpunkt stellt und den laufenden Designaufwand möglichst gering hält. Die Tertiärfarben aus dem Corporate Design wurden für den barrierefreien Einsatz im Web angepasst und zu einem visuellen Leitsystem weiterentwickelt. Dieses unterstützt Besucher bei der Orientierung und führt sie durch die unterschiedlichen Studien und Themenbereiche.
Technisch abzusichern waren Newsletter-System, Login-Bereich und maschinenlesbare Ausgabeformate (CSV, XML, XLS, API). Weil viele Redakteurinnen und Redakteure gleichzeitig im System arbeiten, während die Site öffentlich erreichbar bleibt, war ein mehrstufiges Caching-Setup nötig, das kurze Antwortzeiten auch bei vielen parallelen Verbindungen hält.
Sicherheitsseitig waren die Anforderungen des Cyber Trust Austria Gütesiegels einzuhalten. Das betraf unter anderem Patch- und Update-Prozesse, Rollen- und Rechtekonzept, Backup- und Wiederherstellungsroutinen, Monitoring sowie die Absicherung von Login und Formularverarbeitung.
Schließlich die Stakeholder-Komplexität: Beteiligt waren zahlreiche Akteure auf nationaler und europäischer Ebene, Korrespondenz lief über mehrere Stationen, entsprechend lang waren die Kommunikationswege und Abstimmungszyklen. Aktives Erwartungsmanagement, klar dokumentierte Entscheidungen und eng getaktete Rückkopplung mit dem EMN-Team waren daher genauso projektkritisch wie die technische Umsetzung. Design- und Strukturentscheidungen mussten österreichischen wie EU-weiten EMN-Vorgaben und den Markenrichtlinien der IOM entsprechen. Auch der Zeitrahmen war ambitioniert: sechs Projektphasen von der Anforderungsdefinition bis Hosting und Training in rund drei Monaten. Am Ende entstand aus einer komplexen Auftraggeber:innen-Struktur und anspruchsvollen Gesamtanforderungen eine saubere, gut strukturierte Website, mit der EMN überaus zufrieden ist.
Entscheidend ist der Sektor: Hier hat sich Drupal erneut bei einer internationalen Organisation im UN-Umfeld gegen die Konkurrenz von TYPO3 durchgesetzt und eine bestehende WordPress-Plattform ersetzt. Jede solche Referenz stärkt die Sichtbarkeit von Drupal im institutionellen Bereich, wo Mehrsprachigkeit, Barrierefreiheit, Datensouveränität und langfristige Wartbarkeit harte Kriterien sind. Das Projekt ist damit nicht nur ein gelungener Relaunch, sondern ein Argument für Drupal in genau dem Bereich, in dem die Community wachsen will.
Das Projekt zeigt auf, wie sich eine über 25 Jahre gewachsene Wissenssammlung aus dem gesamten EMN-Netzwerk ansprechend aufbereiten lässt: zweisprachig, barrierefrei und ohne dass bestehende Verlinkungen aus Fachpublikationen und Suchmaschinen verloren gehen.
Der Open-Source-Ansatz sichert Kosteneffizienz, Skalierbarkeit und digitale Souveränität. Damit demonstriert das Projekt, dass gestalterische Qualität und strenge Sicherheits- und Datenschutzanforderungen vereinbar sind.